Es begann mit einer Reise. 1990 reiste Angelika Raimann in die Amazonasregion Ecuadors — und kehrte nie wirklich zurück. Was sie dort fand, war nicht nur eine atemberaubend schöne Landschaft, sondern ein bedrohter Wald, eine bedürftige Gemeinschaft und eine Berufung, die sie nicht ignorieren konnte.

Ein Jahr später liess sie sich dauerhaft nieder. Und als Christine und Siegfried von Steiger sie besuchten, geschah etwas Außergewöhnliches: Vier Menschen blickten auf einen schwindenden Regenwald und beschlossen, still aber entschlossen, nicht wegzuschauen.

1993 wurden die ersten 39 Hektar erworben. Ein kleines Stück Erde — aber der Same von etwas, das weit über alle Vorstellungen hinauswachsen sollte.

Bis 1994 war die SelvaViva-Genossenschaft offiziell in der Schweiz eingetragen, die ersten 200 Hektar gesichert und ein staatlich anerkanntes Wildtierrettungszentrum — amaZOOnico — hatte seine Türen geöffnet. Der Wald war kein Traum mehr. Er war ein Projekt. Ein Versprechen. Eine Heimat.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs SelvaViva — nicht nur an Hektar, sondern an Bedeutung. Eine Schule wurde für lokale Kinder gegründet. Ein Ökotourismusprojekt gab der Kichwa-Gemeinschaft eine nachhaltige Einkommensquelle. Und 1998 erkannte die ecuadorianische Regierung Selva Viva offiziell als Schutzwald an — ein Meilenstein für alle, die ihr Herz in dieses Land gelegt hatten.

Der Weg war nicht ohne Verlust. Angelika starb 2011 bei einem Verkehrsunfall. Siegfried verstarb unerwartet 2021. Das waren keine bloßen organisatorischen Rückschläge — es war der Verlust von Visionären, von Freunden, von Menschen, die tief daran glaubten, dass der Regenwald es wert ist, geschützt zu werden.

Aber die Mission blieb bestehen. Das tut sie immer, wenn die Wurzeln tief genug reichen.

Heute schützt SelvaViva rund 1.700 Hektar primären Regenwalds im Napo-Kanton Ecuadors. Drei Förster gehen täglich durch diese Wege und wachen über Bäume, die seit Jahrhunderten stehen, und Wildtiere, die auf jeden einzelnen von ihnen angewiesen sind. Das Land wird ausschliesslich von Kolonisten erworben — niemals von indigenen Völkern — und die Rechte und Kulturen dieser Gemeinschaften werden mit derselben Hingabe geschützt wie der Wald selbst.

Dreissig Jahre. Eine Mission. Und ein Regenwald, der noch steht, weil vier Menschen nicht aufgegeben haben.

Das ist SelvaViva.